Der verbotene Schopf – Juli 2015

Kürzlich auf einem Spaziergang durch Frutigen bin ich dem Leimbach entlang Richtung Bahnhof gegangen. Ich wurde ein bisschen nostalgisch. Vis-à-vis sah ich die Mauer, auf der wir uns als Jugendliche an vielen Abenden getroffen haben. Für uns war das ein idealer Platz: Man konnte sich etwa in die Mitte zwischen den beiden Brücken setzen und sah von weither, ob jemand in die Nähe kam. Längst genug Zeit eine verbotene Zigarette auszudrücken. Längst genug Zeit, ein heikles Gesprächsthema zu unterbrechen. Dass man im Dunkeln auch die Zigarettenglut von weither sehen konnte, wurde uns erst bewusst, als wir bereits erwischt waren.
In meiner letzten Kolumne habe ich von der Reitschule in Bern erzählt. Und bei jenem Spaziergang durch Frutigen, ging mir ein weiterer Aspekt auf, der in diesem Thema wohl auch eine Rolle spielt.

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“C’est dûre, en Suisse, hein?” – Februar 2015

Diese Woche ist meine Kolumne eine überlange Postkarte. Ich mache gerade Musikerferien in einem Häuschen in Südfrankreich. Musikerferien, das heisst, Ferien von allem anderen, um nur Musik machen zu können. Damit werden die Ferien aus dem „gewöhnlichen“ Arbeitsverhältnis natürlich trotzdem aufgebraucht, aber ich beklage mich nicht. Ich teile diese Umstände mit dem allergrössten Teil der Musikerinnen und Musiker der Schweiz. Auch bei den richtig grossen Bands (mit Ausnahme der Hauptfiguren, manchmal) spielen die Leute entweder in mehreren Bands oder arbeiten zumindest teilweise als Angestellte. Das nur nebenbei. Ist ja vielleicht mal gut zu wissen.

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“Was hesch gmeint?” – Januar 2015

Es guets Nüüs, Ihnen allen! Ich hoffe, es fühlt sich „neu“ an für Sie, und falls Sie sich eine Veränderung gewünscht haben, dass der Jahres“wechsel“ auch seinem Namen gerecht wird. In dieser Zeit der „besten“ Wünsche und Vorsätze werden mir immer Tücken der Sprache bewusst. Vielleicht nehme ich Wörter auch zu wörtlich? Schon als Teenager habe ich meine Mitschüler genervt: Wenn jemand (Entschuldigung im Voraus) „Gopfertammi!“ sagte, habe ich gefragt: „Söll er würklich?“
Kürzlich auf dem Markt in Bern belauscht:
Sie: „Machsch o no chli Ferie?“
Er: „Ja, aber weiss no nid wo.“
Sie: „I würd uf Frankriich, dasch immer schön.“
Er: „Ja Frankriich scho, aber d’Franzose, die sy furchtbar.“
Sie: „Chumm jitz, das chame emu nid so säge.“
Er: „Die chame mir a alli zämebinde u i ds Meer schiesse.“

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Von Entscheidungen, die die Welt nicht bremsen können – Oktober 2014

Heute habe ich gelesen, dass sich die Menschheit seit 1970 verdoppelt hat. Was sagt man dazu? „Irgendwo müssen die wohl sein, aber sie müssen ihr Haus ja nicht gerade vor meiner Nase bauen“, vielleicht?

Nach neun Jahren im Westen Berns bin ich diesen Sommer umgezogen. Nun bin auch ich fast wieder ein Land-Bewohner, knapp ennet der Agglomerationsgrenze: Wenig weiter unten ragen die Wohnblöcke des Pendlerdorfes Bolligen ins Blickfeld. Der Wegzug aus der Stadt Bern hat mir bei der letzten Abstimmung eine Entscheidung erspart, die wie so oft nicht ohne gemischte Gefühle zu fällen gewesen wäre.

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Fragen über Fragen – Juni 2014

Der Songwriter Tom Waits verbreitet gerne absurde Tatsachen. Etwa dies: In Claradon (USA) ist es verboten, ein amtliches Gebäude mit einem Staubwedel aus Federn zu reinigen.
In meiner letzten Kolumne habe ich gebeten, mir Fragen und Kommentare zu schicken zum Stadt-Land-Graben, um damit bei stadtlandbrücke.ch ein Internetforum zu starten. Ich habe keine erhalten. Während ich mir Gedanken machte warum, und wer aus welchen Gründen bei welchen Dingen seine Meinung sagt, ist mir immerhin das Thema für diese Kolumne eingefallen. Als Menschen und StimmbürgerInnen beantworten wir Fragen. Die entscheidende Frage bei den Fragen ist, wie man uns eben fragt. Hier ein paar verschieden gewichtige und verschieden sinnvoll gestellte Fragen für Sie:

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